Luchs Trail | Etappe 2

Anlaufalm —> Laussabaueralm 21 km | 7 Stunden Gehzeit | 1905 hm im Auf- und Abstieg


Der nächste Morgen. Der Nebel bedeckte die Alm. Es regnete und donnerte noch immer. Seit 6 Uhr morgens saßen wir in unserem Lager und starrten aus dem Fenster. Wir warteten bis 9 Uhr auf der Hütte. Vom Frühstück gestärkt waren wir bereit durchzustarten. Die neu gewonnene Motivation konnte ich auch bei Elia, an seiner Mimik und Körperhaltung, gut beobachten. Kein Muskelkater oder sonstiges und das nach 23 Kilometern und über 1000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg.


Als ich beim Aufbruch zu Etappe 2 den schweren Rucksack auf meinen Rücken schnallte, merkte ich erst, wie verhärtet meine Schultermuskulatur war. Aber was sollte ich auch machen, wir mussten schließlich von der Alm runter. Gesagt, getan.


Mit Regenjacke ging es talwärts über einen Forstweg. Der eigentliche Abstieg würde über einen steilen Waldsteig führen, der bei Nässe nicht zu empfehlen ist; laut Beschreibung gäbe es auch die Möglichkeit über Leitern abzusteigen. Daher entschied ich mich, insbesondere zum Schutz von Elia, alternativ die Forstraße zu nehmen.

Es ist sehr wichtig, sich vorab über die Route, aber auch über mögliche Alternativen zu informieren. In den Bergen schlägt das Wetter oft sehr schnell um. Manche Wege werden bei einsetzendem Regen oder auch Schneefall rutschig; auf ausgesetzten Wegen ist man dann nicht nur selbst absturzgefährdet, sondern auch der Hund.


Entlang der Forstraße begegneten uns viele Tiere, etwa einige Feuersalamander, eine Schlange und eine Maus.

Elia war im Freilauf und sobald er etwas sah, so auch beispielsweise die Maus, blieb er stehen und suchte den Blickkontakt zu mir. Dieses Verhalten belohnte ich augenblicklich.



Nach einiger Zeit wurden die Schmerzen in meinen Schultern so schlimm, dass ich beschloss, schweren Herzens den Trail zu beenden. Dadurch, dass auch meine Mutter uns begleitete, überlegte ich Elia bei ihr zu lassen, da sie vor hatte weiterzugehen. Ich entschied mich dann doch Elia mitzunehmen.

Nun gut, ich versuchte also meinen Partner zu erreichen, um uns bei der nächsten Gelegenheit abholen zu lassen. Leider waren wir sehr weit weg von jeglicher Zivilisation und noch dazu hatte ich keinen Handyempfang.

Also hatte ich die Wahl über zweieinhalb Stunden retour nach Reichraming zu wandern oder weiterzugehen- tiefer in die Natur hinein, gemeinsam mit Elia und meiner Mutter.

Ich überwand meine Schmerzen und ging, ich würde sagen, über meine Grenzen hinaus.


Wegweiser

Wir wanderten über den Knappensteig hinauf auf die Blahbergalm. Diese war zwar nicht bewirtschaftet, jedoch wartete eine Mutterkuhherde auf uns. Zum Glück war das Almgelände auch hier sehr weitläufig, was uns ein umkompliziertes Umgehen ermöglicht hat - Elia angeleint, dicht zwischen uns.



Weiter ging es, entlang der Sieben Brünn Quellen, auf einem Waldweg, in ständigem Auf und Ab. Elia war wieder im Freilauf, da er, laut meiner Beobachtung an diesem Tag, noch orientierter und aufmerksamer mir gegenüber war, als noch am Vortag. Meine Schulterschmerzen dämpfte ich, indem ich meine Jacke als Polsterung für die Rucksackriemen verwendete.



Nach mehreren Kilometern auf dem Weg erreichten wir erneut Almgelände. Es ging über den Ahornsattel, vorbei an der Dörflmoaralm, bergab zum Hengstpass. Erneut wurde mein Hund respektvoll abseits der Kuhherde vorbeigeführt.


Bei der Jausenstation Zickerreith angelangt, sahen Elia und ich zum ersten Mal seit zwei Tagen wieder eine Straße. Autolärm machte sich breit und es begann zu nieseln. Elia schien aufgeregter als zuvor, konnte sich an der Leine nach einigen Minuten jedoch wieder entspannen und ließ sich von mir nach einer Erfrischung weiter Richtung Laussabaueralm führen.


Anfangs gingen wir ein Stück dicht neben der Straße. Das Kommando „Zurück“ bot sich an, da nicht ausreichend Platz vorhanden war, dass Elia neben mir gehen konnte. Erst als wir die Straße verließen, hob ich das Kommando auf.

Es ging weiter. Auf einem Güterweg marschierten wir Richtung Egglalm, vorbei an der Rotkreuzkapelle. Nun war die letzte Stunde Richtung Laussabaueralm, entlang des Laussabachs, angebrochen. Elia erfrischte sich, wie auch gestern schon, bei jeder Möglichkeit im Wasser.



Es war eine Wohltat nach den heutigen 21 Kilometern und erneut über 1000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg endlich die Hütte vor uns zu sehen. Wären wir auf dem direkten Weg zur Hütte gegangen, hätten wir eine Mutterkuhherde durchqueren müssen, was wir natürlich mit Hund nicht in Betracht zogen. Also umgingen wir, ein letztes Mal für heute, eine Kuhherde und freuten uns endlich am Ziel angelangt zu sein. Auch hier hatten wir einen Schlafplatz im Bettenlager, wie gestern auch, für uns alleine. Die Hüttenwirtin verlangte jedoch, dass Elia sauber sein müsste. Elia wurde von mir vor Ort geduscht, was aufgrund des Schmutzes in seinem Fell auch notwendig war. In der Gaststube trocknete er vor dem Holzofen.

An diesem Abend beschloss ich, am nächsten Tag den Trail zu beenden und mit Elia nach Hause zu fahren, nachdem meine Schulterschmerzen mittlerweile unerträglich geworden waren. Nach einem guten Abendessen, machten wir im Dunkeln noch einen kleine Spaziergang mit unseren Stirnlampen. Elia wirkte, wie am Abend zuvor, müde, aber sehr zufrieden.



Am nächsten Morgen holte uns mein Partner ab und wir verließen erschöpft, aber stolz die Laussabaueralm und machten uns auf den Heimweg.


Somit wurden aus den geplanten elf Tagen Luchs Trail nur zwei - aber ‘who cares‘?

2 Tage Natur - 2 Tage raus aus dem Alltag - 2 Tage Abenteuer - aber auch 2 Tage, an die eigenen Grenzen gehen und darüber hinaus! Oft ist einfach nur der Weg selbst das Ziel...

Ein großes Dankeschön geht an meine bergerfahrene Mutter, die uns begleitet hat!

Im nächsten Beitrag erwartet dich mein Fazit zum Thema Luchstrail! Seid gespannt.


Verfasst von Julia Gattringer,

Dipl. Systemische Tiertrainerin







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