Luchs Trail | Etappe 1

Reichraming —> Anlaufalm | 23km - 8 Stunden Gehzeit - 1544hm im Auf-und Abstieg

Am Bahnhof in Reichraming, früh am Morgen, starteten wir das Projekt Weitwandern. Die ersten paar 100 Meter vom Bahnhof, weiter Richtung Ort, war Elia sehr aufgeregt.

Ich trug die Leine um die Hüfte und benutzte von Anfang an die Wanderstöcke. Dies macht es mir leichter meinen nervösen, aufgeregten Hund hinter mir zu halten, dann läuft er hinter mir, entspannt sich automatisch und lässt sich besser führen.

Vom Ort aus ging es hinein in die Natur. Vorbei an einem Museum und an einem Wildgehege, ging es auf einer Forststraße Richtung Hintergebirge. Langsam lichtete sich der Nebel und die Sonne ging auf.


Eigene Darstellungen


Das Ortsgebiet hatten wir bereits hinter uns gelassen. Elia hatte sich an der Leine entspannt und war aufmerksam mir gegenüber. Ich beschloss ihn von der Leine zu lassen, was nicht heißt, Karabiner auf und Tschüss, sondern neben mir laufen und auf meine Freigabe warten. Dies tat er auch, obwohl es ihm sichtlich schwer fiel abzuwarten, da es am Wegesrand viel zu erkunden gab.

Nach der Freigabe bewegte sich Elia innerhalb, des von mir vorgegebenen Radius, von 5 Metern.


Mein Hund ist, egal bei welcher Tour, anfangs, speziell auf unbekanntem Terrain, wie oben schon erwähnt, sehr aufgeregt. Meist neigt er dazu, die Führung zu übernehmen, um jeden Reiz vor mir wahrnehmen zu können.

Um diesen Dingen entgegenzuwirken, Sicherheit zu vermitteln und Führung vorgeben zu können, leine ich ihn zwischendurch immer wieder an und rufe ihn im Freilauf, auch ohne Grund, immer wieder zu mir.


Wir wanderten weiter entlang der Forststraße, bis wir vor einer Brücke standen. Sie war wackelig und zwischen den Holzbalken waren relativ große Abstände. Elia spazierte im Freilauf auf die Brücke und drehte um, als er merkte, dass sie sich bewegte und Lücken hatte. Ich nahm ihn an die Leine, ohne Worte, lediglich ein kurzer Blick. Ich ging los und Elia folgte mir. Ich ging langsam aber selbstbewusst über die Brücke, was sich unheimlich positiv auf meinen Hund auswirkte. Ich war sehr dankbar für die Brücke, welche mir die Gelegenheit gab, mein Führungspotenzial unter Beweis zu stellen und Elia die Gelegenheit bot, mir zu vertrauen und sich zu entspannen.


Eigene Darstellungen


Im Freilauf ging es anschließend weiter über den Buchensteig. In stetem Auf und Ab führte der weitere Wegverlauf durch dichte Buchenwälder.

Elia drehte sich nach einigen Metern immer wieder um, schaute nach mir und wartete auf ein Handzeichen meinerseits, um weitergehen zu können. Jeder Holzstock, der gefiel, wurde aufgehoben, stolz präsentiert und der Waldboden intensiv beschnuppert. Gemeinsam wurden Stöcke bestaunt und für Elia interessante Stellen auch von mir begutachtet. Ich vertrete nämlich die Ansicht, dass es Sinn macht , hinsichtlich der Beziehung zwischen Mensch und Hund, sich auch für Interessen des Hundes zu begeistern. Dies hat die Bindung zwischen mir und Elia enorm gestärkt.


Eigene Darstellungen


Nach dem Steig passierten wir eine massive Brücke und wanderten weiter auf einer Mountainbikestrecke Richtung Klaushütte, wo wir das erste Mal eine längere Pause einlegten.

Auf diesem Streckenabschnitt begegneten uns mehrerer Radfahrer, weshalb ich beschloss, Elia an der Leine zu führen. Auch eine Gruppe Wanderreiter begegnete uns. Elia hatte bisher Pferde lediglich aus der Ferne gesehen und das sehr selten, wodurch ich seine Aufregung förmlich spüren konnte. Elia befolgte also das Kommando „Sitz“, und wir warteten bis sie an uns vorbei waren.

Warum „Sitz“? Warum nicht weitergehen? Bei meinem Hund führt in Stresssituationen oftmals das Weitergehen dazu, dass sich seine Aufregung steigert und er stetig schneller wird. Verweilt er im „Sitz“ oder „Platz“ an der Leine, orientiert er sich wesentlich besser an mir und kann sich entspannen.


Eigene Darstellungen


An der Klaushütte angekommen, wurde gegessen und getrunken. Nachdem auch Elia ein paar Leckerlies mit hohem Energiegehalt erhalten hatte, legte er sich auf Kommando nieder. Mir ist es sehr wichtig, dass der Hund auf Hütten, in Gasthäusern beziehungsweise bei Freunden, schnell zur Ruhe kommt.

Als Elia bei uns einzog, stand für uns fest, dass wir ihn gerne überall dabei haben würden. Somit war für mich klar, dass Ruhe aufgebaut werden musste. Gerade auf Hütten oder in Gasthäusern ist das schönste Kompliment, wenn der Hund erst beim Verabschieden vom Wirt bemerkt wird.

Elia konnte dadurch neue Energie tanken, da er sich, durch meine Aufforderung sich hinzulegen, entspannte.

Ich muss zugeben, die letzten 5 Kilometer waren hart, für mich offensichtlich mehr, als für Elia. Aufgrund des ungewohnt großen Gewichts schmerzte mein Rücken. Es ging noch einige Zeit auf der Forstraße entlang, bis zum finalen Aufstieg über einen Waldsteig zur Anlaufalm, unserem heutigen Etappenziel.


Eigene Darstellungen


Auf den letzten Metern vor dem Almgelände verließen mich allmählich meine Kräfte, was dazu führte, dass ich alle paar Meter stehen bleiben musste. Ich hatte das Gefühl Elia merkte das, da er, trotz Freilauf, sich an mir orientierte, indem er nicht mehr von meiner Seite wich.

Aber wir haben es als Team geschafft! Mit gegenseitigem Respekt und Vertrauen.

Die letzte große Hürde war eine Kuhherde direkt vor dem Almhaus. Da das Gelände so weitläufig war, entschieden wir uns die Herde großräumig zu umgehen, aus Respekt gegenüber den Tieren und Selbstschutz. Elia ging dabei eng neben mir, auf der, den Kühen, abgewandten Seite zügig in Richtung Almhaus.


Eigene Darstellung


Auf der Alm angekommen, gab ich Elia Trockenfutter und Wassers. Er zeigte keine Anzeichen von Überforderung oder Erschöpfung. Er wirkte wie ein zufriedener, müder Hund, welcher mit mir den heutigen Tag in der Natur erleben durfte.

Auch die Nacht im Lager verlief reibungslos, obwohl es gegen 2 Uhr morgens ein starkes Gewitter gab. Elia erwachte aufgrund des Donners mehrmals, schlief aber binnen Sekunden weiter.

Ich denke das lag daran, dass ich nie ein „Drama“ um Silvester oder Gewitter gemacht habe. Das vermittelt wiederum Sicherheit für den Vierbeiner.

Wir tankten neue Energie für den nächsten Tag. Ich hoffte vor dem Schlafen gehen, dass meine starken Schulterschmerzen bis morgen weg sein würden, damit wir den Weg schmerzfrei fortsetzen könnten.


Eigene Darstellungen


Im nächsten Beitrag erwartet dich die Zusammenfassung der Etappe 2 von der schönen Anlaufalm auf und ab zur Laussabaueralm!

Verfasst von Julia Gattringer,

Dipl. Systemische Tiertrainerin

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